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| Heimtextilien |
| Orientteppiche zeichnen sich durch ihre leuchtenden Muster aus
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Orientteppich mit seinem typisch orientalischen Muster in leuchtenden Farben ist wieder en
vogue. Vor die allem modern puristische eingerichtete Wohnräume verlangen oftmals etwas
weniger Sterilität. Und so kann beispielsweise auf einem ihrer schwarzen Fliesenböden
ein farbenfroher, flauschiger Orientteppich optimal zur Wirkung kommen. |
| Aber die
aktuellen Orientteppiche werden völlig anders inszeniert. Arte Espina zeigt etwa alt
anmutende Muster in ungewohnt knalligen Rottönen, und Jan Kath taucht ungebrauchte
Perser aus Traditionsmanufakturen in zeitgemäße Neon-Farben ein, so dass die klassischen
Muster noch leicht durchschimmern. Darüber hinaus werden traditionelle Orientteppiche mit
neuen geometrischen Formen kombiniert oder patchworkartig neu zusammengesetzt. Die Bearbeitung von Originalen hat ihren Reiz, denn sie macht
uralte, handgeknüpfte und handgewebte Einzelstücke mit oft verwendetem Muster durch
Handarbeit zudem auch optisch zu einem Unikum. Aber das kann sich nicht jeder leisten,
denn echte Perserteppiche sind eine Investition. Nur handgearbeitete Teppiche aus
arabischen Ländern und China dürfen Orientteppiche genannt werden. Sie haben laut der
EUCA "European
Carpet-Importers Association e.V." -ist die Branchenvertretung der im Importhandel
mit Orientteppichen tätigen Unternehmen in Europa- typisch
orientalische Muster, die oftmals von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Bei
ihnen lässt sich zudem sagen, dass je dichter die Teppichknoten geknüpft sind, umso
größer ihr Wert ist. Manche haben bis zu einer Million Knoten pro Quadratmeter.
Besonders in Deutschland sind Perserteppiche seit der
Nachkriegszeit sehr beliebt. Alte Teppiche im Originalzustand wurden schon für mehrere
Millionen Euro versteigert, und die trendigen, aktuellen Modelle können bis zu 1000 Euro
pro Quadratmeter kosten.
Aber auch ein altes Erbstück kann ungefärbt und
ungebleicht im modernen Ambiente wirkungsvoll erscheinen, besonders gut auf großen
Flächen, neben musterlosen und schlichten Möbeln.
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Heimtextilien |
Zurück auf dem Teppich
Wer einst Omas alten Perser weggeworfen hat, wird sich ärgern. Denn der Orientteppich
ist wieder in. Doch die Designer gehen dem alten Ding mächtig an die Wolle: Bis zu 100
Jahre alte Stücke werden gebleicht, zerschnitten und überfärbt.
Von Simone Andrea Mayer
Typisch orientalische Muster in leuchtenden Farben: Der alte Perser kommt in neuem Gewand
daher, wie hier bei Arte Espina. (Bild: dpa)
Ein moderner Wohnraum kann eine sterile Angelegenheit sein: weiße Wände, kleine schwarze
Couch, verchromter Tisch und ein schwarzer Fliesenboden. Doch darauf kann ein
farbenfroher, flauschiger Orientteppich liegen. Denn der alte Perser erlebt eine
Renaissance - eine Wiederentdeckung für das modern und minimalistisch eingerichtete
Zimmer.
Denn dort schafft gerade dieser Teppich aus Omas Wohnzimmer mit aufwendigem Muster und
viel Geschichte das, was keine Ledercouch, keine Granitfliese und kein Chromtisch
vermitteln kann: das Gefühl des Altbekannten.
"Niemand fühlt sich in einem klinisch gestylten Apartment mit hochpolierten,
betonierten Böden wohl", sagt der Teppich-Designer Jan Kath aus Bochum. Er und eine
ganze Reihe Designer wollen in diesem Jahr die junge Generation, die Kaths Beschreibung
zufolge einst Omas Perser zusammenrollte und in den Keller verbannte, "zurück auf
den Teppich" zu bringen. Und diese Generation stürmt laut der Vereinigung der
europäischen Teppich-Importeure (European Carpet-Importers Association - EUCA) derzeit
die Teppichlager.
EUCA-Verbandsvorsitzender Ali Ipektchi ist begeistert von den jungen Leuten, die den
Teppich nicht mehr zum "Gelsenkirchener Barock" auslegt: unter das Plüschsofa
und neben Blümchentapeten. "Die Orientteppiche werden nun völlig anders inszeniert.
Das sieht Hammer aus in einem modernen Zimmer."
Doch nur selten kommt der Perser daher wie ein alter Weggefährte aus der Kindheit: Arte
Espina zeigt etwa alt anmutende Muster in ungewohnt knalligen Rottönen. Jan Kath taucht
ungebrauchte Perser aus Traditionsmanufakturen in zeitgemäße Neon-Farben ein, die
klassischen Muster schimmern noch leicht durch. "Wir haben positive Erinnerungen an
die Vergangenheit und transportieren dies im neuen Gewand in die Gegenwart", sagt
Gabriele Kaiser, die auf der weltweit führenden Teppichmesse Domotex in Hannover die
Trends analysierte, diese Veränderung.
Doch die rein optische Aufwertung geht manchen noch nicht weit genug. Sie wollen das alte
Original radikal verändern: "Traditionelle Orientteppiche werden mit neuen
geometrischen Formen kombiniert oder patchworkartig neu zusammengesetzt", erläutert
Kaiser.
Das Unternehmen Kymo aus Karlsruhe bezeichnet das in seiner Kollektionsbeschreibung von
The Mashup als "Vertrautes zu dekonstruieren und in einem absolut zeitgemäßen
Kontext zu stellen". Hierfür wird ein Teppich zerschnitten und in einem
Patchwork-Muster neu zusammengesetzt. Darüber werden etwa Schriftzüge gedruckt. Bei Luv
Interior bilden Teile mehrerer Teppiche einen neuen Perser.
Das Unternehmen Miinu aus Dortmund lässt 50 bis 100 Jahre alte Vorleger mit einem Gemisch
aus Joghurt und Zitrone einreiben und dann das Gewebe monatelang in der türkischen Sonne
bleichen, wie Firmensprecher Patrik Salewski erläutert. "Diese alten Teppiche haben
natürlich nicht die Farben, wie sie heute gefragt sind. Daher überfärben wir diese nach
dem Bleichen."
Andere Unternehmen geben alten oder für diesen Zweck neu gewebten Teppichen mit Bleiche
oder Schleifmaschinen Gebrauchsspuren. Abgewetzt, oft farblos wirken diese dann und passen
in eine etwas farbenfrohere Umgebung. Darauf verzichtet Miinu: "Wir wollen, dass
unsere Teppiche einen Used-Look haben, weil die Zeit an ihnen genagt hat und nicht mit
Maschinen darüber gegangen wurde", sagt Salewski.
Die Bearbeitung von Originalen hat ihren Reiz, denn sie macht uralte, handgeknüpfte und
handgewebte Einzelstücke mit oft verwendetem Muster durch Handarbeit auch noch optisch zu
einem Unikum. Aber das kann sich nicht jeder leisten - echte Perser sind eine Investition.
Denn nur handgearbeitete Teppiche aus arabischen Ländern und China dürfen Orientteppiche
genannt werden.
Sie haben laut der EUCA typisch orientalische Muster, die oftmals von Generation zu
Generation weitergegeben wurden. Je dichter die Teppichknoten geknüpft werden, desto
wertvoller sind sie. Manche haben bis zu einer Million Knoten pro Quadratmeter.
In Europa und darunter besonders in Deutschland sind die Perser der EUCA zufolge
insbesondere seit der Nachkriegszeit beliebt. Alte Perser im Originalzustand wurden schon
für mehrere Millionen Euro versteigert, die trendigen, aktuellen Modelle können bis zu
1000 Euro pro Quadratmeter kosten.
Wer ein altes Erbstück auf dem Dachboden hat, kann sich aber auch daran halten - denn
auch ungefärbt und ungebleicht macht der Perser einiges im modernen Ambiente her. Den
Teppichexperten zufolge liegt er besonders gut auf großen Flächen und neben musterlosen,
schlichten Möbeln. Denn dort müssen die im Original oft in Beige- und Brauntönen
gehaltenen Vorleger nicht um Aufmerksamkeit buhlen.
Mannheimer Morgen
12. März 2011 |
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